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Elbrus – der weiße Berg

Wenn man das Kaukasusgebirge vollständig dem europäischen Kontinent zuordnen würde – und die Definition der innereurasischen Grenze ist hier regelmäßig umstritten -, wäre nicht der 4.810 Meter hohe Mont Blanc in den Französischen Alpen, sondern der Elbrus der höchste Berg auf dem europäischen Kontinent. Denn dieser russische Berg ist auf seinem westlichen und höheren der beiden Doppelgipfel 5.642 Meter hoch und überragt den Mont Blanc damit um über 600 Meter. Zudem ist auch der Ostgipfel des Elbrus, der lange Zeit auch ‘Elboros’, ‘Elborus’ oder ‘Elburus’ genannt wurde, mit 5.621 Metern fast genauso hoch. Dabei liegt der Elbrus im südlichen Russland, wo er nur 11 Kilometer von der georgischen Grenze entfernt ist. Er befindet sich außerdem nördlich des Hauptkamms des Großen Kaukasus, der die innereurasische Grenze bildet, und trennt auf seinem Westgipfel die russischen Kaukasusrepubliken Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien voneinander.

Seinen Beinamen ‘Weißer Berg’ hat der Elbrus aufgrund der Tatsache, dass seine Gipfel mit Gletschern weiß überzogen sind, wobei der Begriff ‘Elbrus’ selbst auf das georgische Wort für ‘kegelförmig’ zurückgeführt werden kann. So sehen die beiden Gipfel des Berges tatsächlich wie wohl geformte Kegel aus.

Elbrus im Sommer
Foto: Yuriy Seleznev /Bigstock

Der weiße Berg, unter dem ein Vulkan schlummert

Der Elbrus ist kein einfacher Berg, sondern ein Schichtvulkan, dessen letzter Ausbruch vor etwa 2.000 Jahren stattgefunden hat. Heute werden hier nur noch geringe Vulkanaktivitäten gemessen, wobei das Risiko für einen erneuten Ausbruch vor allem in einem raschen Abschmelzen der dicken Eiskappe zu sehen ist. Von den gegenwärtig geringen Vulkanaktivitäten zeugen vor allem Thermalquellen und austretende Gase in Gipfelnähe, die auch als Solfataren bezeichnet werden. Außerdem existiert noch heute ein Vulkankrater mit einem Durchmesser von etwa 250 auf dem Ostgipfel des Elbrus.

Die Erforschung des Elbrus und seine Bedeutung für Mythologie und Tourismus

Der Elbrus hat vor allem für die griechische Mythologie und die Bibelgeschichte eine große Bedeutung, denn so soll hier der griechische Gott Prometheus angekettet worden sowie die Arche Noah nach der Sintflut kurz gestrandet sein. Seine dokumentierte Erstbesteigung erfuhr der Weiße Berg aber im 19. Jahrhundert. So wurde zunächst der Ostgipfel am 22. Juli 1829 von Kilar Chatschirow, einem Hirten, bestiegen. Die Erstbesteigung des Westgipfels erfolgte wenig später durch die Engländer Frederick Gardiner, Florence Crauford Grove, Horace Walker und den Schweizer Expeditionsführer Peter Knubel am 26. Juli 1874. Seit 1914 wird der Elbrus auch regelmäßig auf Skitouren bestiegen. Zudem war er in den vergangenen Jahrhunderten auch immer wieder das Ziel zahlreicher Expeditionen von Biologen, Mineralogen und anderen Forschern. Schließlich spielte der Weiße Berg auch in der jüngeren Geschichte eine bedeutende Rolle. So konnten im Zweiten Weltkrieg deutsche Gebirgsjäger im August 1942 den 4.000 Meter hohen Pass Khotiutau erklimmen und hier die unwissende Besatzung der Roten Armee überraschen und zum kampflosen Abzug zwingen.

Heute ist der Elbrus auch ein bedeutendes touristisches Ziel mit einer Vielzahl an Berghütten sowie zwei Seilbahnen. So befindet er sich im Prielbrussje-Nationalpark und ist das Ziel von etwa 350.000 Touristen jährlich, von denen jeder Zwanzigste den Aufstieg auf die Gipfel wagt.

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